„Der Fotograf macht die Bilder, nicht die Technik.“
Spätestens nach meinem ersten wirklich gelungenen Eisvogelfoto wurde mir klar, wie wichtig die richtige Ausrüstung in der Wildlife-Fotografie sein kann.
Keine noch so gute oder teure Kamera kompensiert Defizite im Wissen um die optimale Bildgestaltung, das Belichtungsdreieck oder das richtige Verhalten in der Natur. Aber gerade in der Naturfotografie spielt die Kameratechnik eine entscheidende Rolle.
Wie ich mein Wildlife-Setup gefunden habe
Diese Entscheidung ist in der Tat sehr individuell. Ich kann hier nur mein Vorgehen und die Gründe für meine Kamerawahl beschreiben.
Zunächst fiel meine Entscheidung eindeutig auf eine Vollformatkamera, obwohl einige Wildlife-Fotografen aufgrund der besseren Reichweite auf APS-C-Kameras schwören.
Für meine Art der Fotografie waren letztlich vier Punkte ausschlaggebend:
- Bessere Bildqualität, insbesondere auch bei schlechtem Licht und hohen ISO-Werten
- Stärkere Freistellung, so dass sich ein Tier oft besser vom Hintergrund abhebt
- Mehr Dynamikumfang vor allem in den Schatten und Spitzlichtern
- Für große Drucke, Wandtapeten oder professionelle Anwendungen bieten moderne Vollformatkameras einfach die höchste Bildqualität
Die Nachteile des höheren Gewichts, dass man längere Objektive benötigt und die Kosten für ein Wildlife-Setup mit Vollformat höher sind, fielen für mich weniger ins Gewicht.
Nachdem die Entscheidung für Vollformat gefallen war, stellte sich die nächste Frage nach dem Kamerasystem.
Warum bin ich „Team Sony“?
Meine erste Kamera war die Sony A7III. Die Entscheidung für Sony fiel nach einem Besuch beim Fotohändler. Dort konnte ich die verschiedenen Kameratypen in die Hand nehmen und testen, ob sie zu mir passen. Das war für mich unglaublich wichtig, und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich eine Kamera kaufen möchte.
Als ich die Sonykamera in der Hand hatte, merkte ich sofort, dass sie zu mir und meinen Händen passte. Nicht zuletzt spielte für mich auch eine Rolle, dass es für Sonykameras neben den Sonyobjektiven auch zahlreiche interessante und hochwertige Objektive von Drittanbietern gibt.
Mein Wildlife-Objektiv
Zunächst stattete ich mich mit zwei Zoomobjektiven aus. Erst hatte ich das Tamron 28-200-mm-Objektiv, das mein Immerdrauf-Objektiv in der Anfangszeit meiner Naturfotografie war.
Doch ich merkte, dass mir nach oben häufig Brennweite fehlte. So zog ein wenig später das 50-400-mm-Objektiv von Tamron ein. Damit entstand auch mein erstes Eisvogelfoto und ich habe es häufig und gerne genutzt.
Doch mit zunehmender Fokussierung auf Wildlife-Fotografie stellte ich für mich zwei Defizite an diesen Objektiven fest: Für die Vogelfotografie und viele scheue Wildtiere waren mir 400 mm an Vollformat häufig zu kurz. Außerdem störte mich die ständig wechselnde Länge des Objektivs beim Zoomen.
Nach vielen Recherchen und Überlegungen entschied ich mich schließlich für das Sony FE 200-600mm F5.6-6.3 G OSS Teleobjektiv. Besonders überzeugte mich der Innenzoom: Das Objektiv verändert beim Zoomen seine Länge nicht, bleibt besser ausbalanciert und ist weniger anfällig für Staub.
Diese Entscheidung habe ich nicht bereut, und es ist seitdem mein treuer Begleiter auf meinen Fototouren in die Natur.
Stativ oder Freihand?
Kurz und knapp: ich bin eindeutig Team Freihand. Auf meinen Naturfotografie-Touren begleitet mich immer mein kleiner Mischlingshund Yoshi. Daher möchte ich ungern Stunden an einer bestimmten Stelle bleiben. Ehrlich gesagt, bin ich selbst dafür auch viel zu ungeduldig. Ich bewege mich gerne und streife durch die Natur auf der Suche nach Motiven.
Pro-Tipp: Da das Sonyobjektiv zusammen mit der Kamera rund 3 kg auf die Waage bringt, nutze ich das Cotton Carrier CCS G3-Gurtsystem in Tarnfarbe für meine Touren. So bleiben die Hände frei, die Ausrüstung hängt sicher und gewichtsmäßig gut verteilt am Körper und ist schnell bereit, um Fotos zu schießen.
Unterwegs mit dem Cotton Carrier Tragegurt – Kamera sicher verstaut und die Hände sind frei
Tarnung – ja oder nein?
Da ich nicht der klassische Ansitztyp in der Wildlife-Fotografie bin, nutze ich auch keine spezielle Tarnung. Natürlich ziehe ich auf meinen Fototouren Kleidung in gedeckten Farben an, trage das Gurtsystem in Tarnfarbe und habe das Sony-Objektiv inzwischen mit einen Lenscoat (Tarn- und Schutzüberzug – siehe Titelbild) von RolanPro eingekleidet.
In der Natur nutze ich die vorhandenen Möglichkeiten der Tarnung: langsame Bewegungen, Bäume oder Büsche, in die Hocke gehen oder auf den Bauch legen – das war es. Vielleicht entgeht mir dadurch die eine oder andere Aufnahme. Aber ich lege großen Wert darauf, die Vögel und Tiere möglichst nicht zu stören und sie in ihrem natürlichen Verhalten abzulichten.
Warum ich von der A7III zur A1 gewechselt bin
Gerade die Art der Wildlife-Fotografie, die ich mittlerweile betreibe, brachte meine geliebte Sony A7III immer häufiger an ihre Grenzen: Der Vogel, nach dem ich lange Ausschau gehalten hatte, saß endlich nicht weit entfernt im Baum, doch die Kamera fokussierte lieber die Zweige als das Auge des Vogels.
Versuche, kleinere Vögel im Flug zu fotografieren, scheiterten immer wieder am langsamen Fokus oder der geringen Serienbildgeschwindigkeit. Den leisen elektronischen Verschluss konnte ich nicht immer verwenden, so dass ich manchmal Tiere störte.
Also suchte ich nach Lösungen, recherchierte viel und stieß immer wieder auf die Sony A1 oder A9 als Top-Empfehlungen für Wildlife- und Naturfotografie.
Der spezielle Augen-Autofokus wahlweise für Mensch, Tier oder Vögel, die hohe Bildgeschwindigkeit mit elektronischem Verschluss sowie die Auflösung mit 50,1 Megapixel und den damit einhergehenden Crop-Reserven ließen mich letztendlich zur Sony A1 greifen.
Gerade die rasante Datenverarbeitung lässt den elektronischen Verschluss auch bei schnellen Bewegungen des Motivs nutzen. So ist lautlose Wildlife-Fotografie für mich ohne Qualitätsverlust möglich. Vor allem aber gelingen mir damit deutlich mehr scharfe Bilder auch von schwierigen Motiven wie Vögeln im Flug.


Bildvergleich Schwalben im Flug mit der A7III (oben) und der A1 (unten)
Bin ich damit der bessere Fotograf? Nicht unbedingt. Häufig sehe ich großartige Fotos, die andere Fotografen mit der A7III geschossen haben. Für mich aber passt mein aktuelles Setup mit der Sony A1, Sony FE200-600 mm-Objektiv und teilweise dem 1,4 x Telekonverter einfach am besten.
Meine Ausrüstung hilft mir heute dabei, die Bilder umzusetzen, die ich im Kopf habe. Entscheidend bleibt aber weiterhin das, was mich schon zu Beginn der Wildlife-Fotografie fasziniert hat: Zeit in der Natur zu verbringen und besondere Momente mit der Kamera festzuhalten.
Wie es weitergeht
In den nächsten Beiträgen gehe ich auf meine liebsten Fotospots und Fotomotive ein, aber auch immer mal wieder auf technische Dinge, wie die Bildbearbeitung. Außerdem schreibe ich an einem Beitrag über die Fehler, die ich als Anfänger in der Naturfotografie gemacht habe.
Meine aktuelle Wildlife-Ausrüstung
- Kamera: Sony A1
- Objektiv: Sony FE 200–600 mm
- Telekonverter: Sony 1.4x speziell bei kleinen und scheuen Vogelarten (Voraussetzung: ausreichend Licht)
- Tragesystem: Cotton Carrier CCS G3
- Tarnung: Lenscovoer von RolanPro


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