Klirrende Kälte, Raureif auf den Weserwiesen und eigentlich nur eine gewöhnliche Hunderunde am ersten Weihnachtstag — bis plötzlich ein fliegender türkis-oranger Blitz im Augenwinkel auftauchte.
Genau solche Momente faszinieren mich an der Wildlife-Fotografie. Man plant Touren, sucht Fotospots und bereitet sich sorgfältig vor. Trotzdem entscheiden am Ende oft die Natur und der Zufall darüber, welche Bilder man tatsächlich mit nach Hause bringt.
Doch wie kam es eigentlich dazu, dass Wildlife-Fotografie zu meinem fotografischen Schwerpunkt wurde?
Als ich 2021 begonnen habe, mit einer echten Systemkamera zu fotografieren, wusste ich noch nicht, wohin meine Entwicklung gehen würde. So habe ich einfach alles fotografiert, was mir vor die Linse kam.
Da ich mit meinem kleinen Mischlingsrüden Yoshi häufig in der Natur unterwegs war, machte ich überwiegend Natur- oder Wildlifeaufnahmen. Schnell merkte ich jedoch, dass Wildlife-Fotografie nicht nur viel Geduld verlangt, sondern auch die passende Ausrüstung.
Mein erstes echtes Wildlife-Objektiv
Nach einiger Zeit entschied ich mich schließlich für ein 200–600-mm-Teleobjektiv, das seitdem mein treuer Begleiter auf vielen Fototouren ist. Im nächsten Blogbeitrag werde ich mich ausführlicher mit den technischen Ausrüstungsempfehlungen für Wildlife-Fotografie befassen und erklären, aus welchen Gründen ich mich für mein Equipment entschieden habe.
Auf der Suche nach dem Fotoglück
Doch das passende Equipment ist das eine, das sogenannte Fotoglück ist das andere. Jeder Wildlife-Fotograf kann ein Lied davon singen, dass genau das Motiv, das man unbedingt fotografieren wollte, gar nicht auftaucht und man mit völlig anderen Fotos nach Hause geht als geplant.
Geduld und Ausdauer sind unerlässlich in der Wildlife-Fotografie.
Aber manchmal klopft das Glück an die Tür und man erhält das eine Foto, das für die vielen erfolglosen Touren entschädigt.
Faszination Eisvogel
Wer sich wie ich in Wildlife-Fotogruppen tummelt, erliegt schnell der Faszination Eisvogel – einem der auffälligsten Vögel in Deutschland, aber auch einem der schwierig zu entdeckenden. Leider ist meine direkte Umgebung nicht unbedingt ein Eisvogelhotspot, doch in einem Buch entdeckte ich einen Hinweis, dass es bei uns sehr wohl auch einige Exemplare geben soll.
So wurde mein Ehrgeiz geweckt, und tatsächlich beobachtete ich sowohl an der Weser als auch am nahegelegenen Godelheimer See hin und wieder einen Eisvogel. Allerdings liegen zwischen dem Entdecken und dem Fotografieren eines Eisvogels oft Welten.
Die ersten Fotos (damals noch mit dem 50-400-mm-Objektiv) entstanden, hatten aber eher dokumentarischen Charakter.

Eines der ersten Fotos vom Eisvogel an der Weser im Januar 2024 | (C) Ute Sievers Fotografie | Sony A7III + Tamron 50-400 mm | 1/1000 s @ f/6.3, ISO 100
Ich hatte den Eisvogel zwar endlich fotografiert – aber noch lange nicht so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte.
Weihnachtsgeschenk von Mutter Natur und Yoshi
Lange Zeit konnte ich trotz intensiver Suche keinen Eisvogel mehr entdecken. Am Morgen des 1. Weihnachtstages nahm ich trotz klirrender Kälte meine Kamera mit auf die morgendliche Hunderunde entlang der Weser.
Dick eingepackt streiften Yoshi und ich über die mit Raureif überzogenen Weserwiesen. An einer Stelle führt ein schmaler Weg an der Böschung direkt bis ans Wasser und Yoshi wollte unbedingt dorthin laufen. So ging ich ihm also hinterher.
Am Ufer angelangt, sah ich aus dem Augenwinkel etwas Buntes, Schillerndes im Flug auf mich zukommen und riss in Sekundenbruchteilen die Kamera hoch.
Was soll ich sagen? Mutter Natur gab mir das schönste Weihnachtsgeschenk, das ich mir vorstellen konnte: Der Eisvogel setzte sich nur wenige Meter entfernt auf einen Zweig eines kahlen Busches am Flussufer. Dort posierte er im schönsten Morgenlicht ein paar kostbare Sekunden lang für mich, nur um gleich wieder als fliegender Diamant am Weserufer entlang flussaufwärts zu fliegen.
Der Moment der Wahrheit
Auf dem Heimweg kreiste nur eine Frage in meinem Kopf: Hatte ich endlich das Eisvogelfoto aufgenommen, von dem ich so lange geträumt hatte? Zu Hause am PC wurden natürlich alle Fotos der Tour sofort geladen und analysiert.
Treffer! Schon das erste Bild auf dem Monitor ließ mein Herz höherschlagen. Ich war einfach nur glücklich und dankbar, dass alle Einstellungen passten und mir dieser Weihnachtsmorgen wunderbare Eisvogelfotos beschert hatte.

Eisvogelporträt – Weihnachten 2025 – noch nicht perfekt, aber ein Foto, das mich sehr glücklich gemacht hat | (c) Ute Sievers Fotografie | Sony A1 + Sony FE 200-600 mm | 1/2000 s @ f/6.3, ISO 8000
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich Wildlife-Fotografie bis heute so fasziniert: Viele Stunden bleiben erfolglos — doch manchmal schenkt dir die Natur einen einzigen Moment, den du nie wieder vergisst.
Wie es weitergeht
Diesem ersten Beitrag sollen viele weitere folgen. Ich möchte unter anderem über mein Wildlife-Equipment, die Suche nach Fotospots im Weserbergland und meine Erfahrungen bei der Vogelfotografie berichten.
Neben der Vogelfotografie werden auch Natur- und Landschaftsaufnahmen aus dem Weserbergland und anderen Regionen Deutschlands sowie von Mallorca ihren Platz finden.
Ich freue mich auf eure Kommentare, Fragen oder Hinweise.
Technische Daten
| Erstes Eisvogelfoto | Weihnachtsfoto | |
| Kamera | Sony A7III | Sony A1 |
| Objektiv | Tamron 50-400 mm | Sony 200–600 mm |
| Brennweite | 400 mm | 600 mm |
| Blende | F/6.3 | F/6.3 |
| Verschlusszeit | 1/1000 s | 1/2000 s |
| ISO | ISO-1000 | ISO-8000 |
| Ort | Weser | Weser |
| Datum | 10.01.2024 | 25.12.2025 |

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